



Tabula Rasa Tombola
Carolin Wendel
Eröffnung: 28.11.2025, 20 Uhr
geöffnet immer donnerstags und samstags von 16-18 Uhr
bis 4.1.2026
Finissage: 4.1.2026, 20 Uhr
Tabula Rasa Tombola ist ein interaktives Ausstellungsformat von Carolin Wendel. Ziel ist die schrittweise Auflösung eines Werkbestandes durch ein Losverfahren. Besucherinnen und Besucher erwerben nummerierte Lose, die einzelnen Rasterfeldern zugeordnet sind. Jedes gezogene Los führt zu einer Aktion. Das System basiert auf Zufall statt Auswahl. Es gibt 2025 Chancen bei einer Gewinnquote von eins zu zwanzig. Mit jeder Transaktion verändert sich der Zustand des Raums.
Ab 20 Uhr geht es los und dann beginnt auch schon die Tombola.
Viel Glück!
gefördert vom Kulturamt der Stadt Leipzig

Zur künstlerischen Praxis
Die künstlerische Praxis von Carolin Wendel richtet sich nicht auf das autonome Einzelwerk, sondern auf die Bedingungen, unter denen Kunst hergestellt, verteilt, angeeignet und legitimiert wird. Im Zentrum steht nicht das Bild als abgeschlossenes Objekt, sondern Material, Zugriff und Verfügbarkeit: Wer entscheidet über Nutzung, Besitz und Sichtbarkeit, und welche Strukturen stabilisieren diese Entscheidungen über Zeit.
Ausgangspunkt dieser Praxis war die Auseinandersetzung mit Malerei in einem Maßstab, der traditionell Repräsentation und Besitz signalisiert. Großformatige Ölgemälde wurden nicht weiter perfektioniert, sondern bewusst zerstört und umgearbeitet. Doppelbettgroße Leinwände wurden zerschnitten und zu Korsetts verarbeitet. Das Bild verlor seinen Status als distanziertes Objekt; der Körper wurde Träger, das Werk materiell begrenzt, verletzlich und funktional. Entscheidend war nicht die Provokation, sondern die Verschiebung des Werkbegriffs: Malerei wurde zu einem Material unter Zugriff, nicht zu einem sakralen Träger von Bedeutung.
Diese Logik der Fragmentierung und Umwidmung wurde in weiteren Arbeiten fortgeführt. Bilder entstanden aus vielen einzelnen Leinwänden, aus Starschnitten oder modularen Elementen. Zusammenhalt war kein gegebenes Merkmal mehr, sondern eine fragile Konstruktion. Das Werk existierte nicht als Einheit, sondern als Gefüge, dessen Stabilität von Ordnung, Zugriff und Entscheidung abhing. Bedeutung entstand nicht aus Geschlossenheit, sondern aus Relation.
Parallel dazu entwickelte sich eine Reihe performativer Arbeiten, in denen Knappheit, Verlust und Priorisierung nicht dargestellt, sondern real vollzogen wurden. In der Arbeit Entfeinerung wurden Besucher:innen eingeladen, nahezu gummilose Unterwäsche live zu schneiden – unter dem Hinweis, dass Feinerung kriegswichtig sei und der Kunst nicht mehr zur Verfügung stehe. Die Entscheidung über Materialverlust wurde damit explizit delegiert. Kunst wurde hier nicht als autonomer Schonraum behandelt, sondern als Teil realer Ressourcenkonflikte. Die Konsequenz war nicht symbolisch, sondern materiell.
Arbeiten wie die Wursttapete oder das Signieren im maßgeschneiderten Froschhautanzug operierten an der Schnittstelle von Handwerk, Aufwand und symbolischer Überhöhung. Sie legten offen, wie stark Wert im Kunstfeld an Inszenierung, Materialeinsatz und ritualisierte Akte gebunden ist. Die Signatur wurde nicht als Garant von Autorschaft behandelt, sondern als produktiver, zugleich arbiträrer Mechanismus der Wertzuschreibung.
Ein zentraler Abschnitt dieser Praxis war ein über ein Jahrzehnt andauernder Exkurs in die Biotechnologie. Die Arbeit verlagerte sich zeitweise in Labore, Forschungszusammenhänge und angewandte Materialentwicklung. Dieser Schritt bedeutete keine Abkehr von Kunst, sondern eine Verschärfung derselben Fragestellungen unter anderen Bedingungen. Im Fokus standen Zugang zu Wissen, Verantwortung für Innovation und die Frage, wem technologische Entwicklung dient. Der Anspruch, Innovation nicht für Einzelne oder Märkte, sondern für die Allgemeinheit nutzbar zu machen, war dabei konstitutiv.
Dieser Abschnitt machte deutlich, dass Fragen von Besitz, Kontrolle und Ausschluss systemübergreifend wirken. Ob im Kunstfeld oder im Labor: Wer entwickelt, bestimmt Zugänge; wer Eigentum bündelt, kontrolliert Zirkulation; wer abschottet, schließt aus. Diese Einsicht wirkt bis in die aktuelle Praxis fort.
Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung, keine weiteren großformatigen, abgeschlossenen Bilder zu produzieren, keine ästhetische Vorliebe, sondern eine strukturelle Konsequenz. Werke, deren primäre Funktion ihre Kompatibilität mit privaten Besitzräumen ist, reproduzieren genau jene Logiken von Akkumulation und Ausschluss, die diese Praxis seit Langem untersucht und unterläuft.
Die künstlerische Arbeit hat sich daher konsequent von der Produktion autonomer Objekte hin zur Entwicklung offener Systeme verschoben. Im Zentrum stehen heute Prozesse von Zugriff, Verteilung und Verantwortung. Das Werk ist nicht mehr das, was bleibt, sondern das, was sich verändert. Sichtbar wird nicht ein abgeschlossenes Œuvre, sondern ein Ensemble von Eingriffen, Fragmenten und Entscheidungen, das die Bedingungen seiner eigenen Existenz offenlegt.
Parallel zu dieser künstlerischen Entwicklung ist in den letzten Jahren ein stärkerer Fokus auf offene, gemeinwohlorientierte Systemarbeit entstanden, die über den Kunstkontext hinausweist. In einem aktuellen Open-Civic-Tech-Projekt werden ähnliche Fragen von Zugriff, Transparenz und Verantwortung in den Bereich digitaler Infrastruktur und öffentlicher Verwaltung übersetzt. Auch hier geht es nicht um Innovation als Selbstzweck, sondern um überprüfbare Systeme, die Machtverhältnisse sichtbar machen und Zugänge öffnen, ohne neue Abhängigkeiten zu erzeugen. Die künstlerische Praxis und diese technologische Arbeit stehen dabei nicht nebeneinander, sondern folgen derselben Logik: Systeme nicht zu erklären, sondern so zu gestalten, dass sie kritisierbar und veränderbar werden.
TABULA RASA TOMBOLA – MANIFEST
Tabula Rasa bezeichnet keinen Neubeginn und keinen „leeren Tisch“. Der Begriff verweist auf eine Oberfläche, an der Spuren sichtbar bleiben: Einschreibungen, Abriebe, Überschreibungen. Eine Tabula ist nicht leer, sondern lesbar. Sie zeigt, was geschrieben wurde, was entfernt wurde und was dennoch fortwirkt. In diesem Sinn beschreibt Tabula Rasa keinen Zustand, sondern ein Verfahren: das Offenlegen von Strukturen, die sonst als selbstverständlich oder unsichtbar gelten.
Diese Arbeit ist nicht als einzelnes Werk konzipiert, sondern als System. Im Zentrum steht nicht das Objekt, sondern die Infrastruktur, die darüber entscheidet, wo Werke landen, wer sie besitzt, wer Zugriff erhält und wer ausgeschlossen bleibt. Kunst wird hier nicht als autonomes Bedeutungsobjekt verstanden, sondern als Teil gesellschaftlicher Ordnungen, in denen Wert, Sichtbarkeit und Teilhabe organisiert werden.
Das Kunstsystem ist kein neutraler Raum. Es reproduziert Machtverhältnisse durch Akkumulation, Verknappung und die Konzentration von Besitz. Sammlung, Archiv und Bestand erscheinen dabei häufig als unschuldige Formen der Bewahrung, sind jedoch zentrale Instrumente der Kontrolle über kulturelle Zirkulation. Was gesammelt wird, bleibt sichtbar und verfügbar; was nicht gesammelt wird, verschwindet aus dem Zugriff. Bestände schreiben Entscheidungen fort und stabilisieren Hierarchien lange über ihren Entstehungskontext hinaus.
Tabula Rasa Tombola setzt dieser Logik kein Kommentarwerk entgegen, sondern ein operatives Gegenmodell. Statt ein abgeschlossenes Werk zu präsentieren, etabliert die Arbeit ein System aus 2025 Feldern. Jedes Feld ist ein konkreter Zugriffspunkt. Ein Los aktiviert genau ein Feld. Mit diesem Zugriff verlässt ein reales Fragment die Arbeit und geht in den Besitz einer Person über. Dieser Vorgang ist materiell, irreversibel und nicht symbolisch. Es gibt keine Ersatzlogik, keine Reproduktion und keine Rückführung in ein zentrales Archiv.
Die Entscheidung, dieses System als Tombola zu organisieren, ist keine ästhetische Spielerei und keine ironische Brechung. Sie ist eine politische Setzung. Die Tombola ist ein allgemein verständliches, niedrigschwelliges Format, das weder kulturelle Vorbildung noch institutionelle Nähe voraussetzt. Sie öffnet das System für Menschen, die in klassischen Kunstkontexten häufig nur als Publikum oder gar nicht vorkommen. Teilhabe wird hier nicht vermittelt, sondern real ermöglicht.
Der Preis eines Loses liegt bei 3 Euro, weil Teilhabe nicht an ökonomische Leistungsfähigkeit gebunden sein soll. Der Betrag ist so gewählt, dass Mitmachen möglich bleibt, ohne Knappheit zu inszenieren oder Wertsteigerung zu betreiben. Es geht nicht um Marktlogik, nicht um Rendite, nicht um Prestige, sondern um Zugriff. Der spielerische Rahmen dient dabei nicht der Verharmlosung, sondern der Senkung von Zugangshürden. Er macht sichtbar, wie vertraut uns die Delegation von Verteilungsfragen an Zufallssysteme ist – und zwingt diese Logik in eine transparente, überprüfbare Form.
Die Möglichkeit, ein Bild oder Fragment zu erhalten, ist kein Ziel dieser Arbeit, sondern ein Nebeneffekt. Entscheidend ist der Eingriff selbst. Jeder Zugriff verändert das System sichtbar. Ein Feld verschwindet, ein Fragment zirkuliert, eine Leerstelle entsteht. Diese Leerstellen sind kein Schaden, sondern Dokumente. Sie zeigen, dass Entscheidungen getroffen wurden, dass Verantwortung übernommen wurde und dass Teilhabe nicht behauptet, sondern praktiziert wird. Das entstehende System ist kein beschädigtes Werk, sondern ein Protokoll kollektiver Eingriffe.
Am Ende bleibt kein intakter Bestand zurück, sondern ein offengelegtes Gefüge aus Zugriffen, Verteilungen und Leerstellen. Jede Person, die ein Los zieht, wird Teil dieses Gefüges – nicht als Konsument:in, sondern als Akteur:in innerhalb eines realen Systems. Besitz entsteht hier nicht durch Kaufkraft oder institutionelle Nähe, sondern durch Beteiligung an einem gemeinsamen Prozess.
Die Auflösung meines Bestands ist in diesem Zusammenhang keine symbolische Geste und kein individueller Verzicht. Sie ist eine politische Konsequenz. In einem Kunstsystem, das auf Akkumulation und Verknappung beruht, ist Bestand nicht neutral. Bestand bedeutet Macht: die Macht, Sichtbarkeit zu steuern, Zirkulation zu kontrollieren und Teilhabe zu begrenzen. Wer Teilhabe ernst meint, kann sie nicht propagieren und zugleich an einem Besitzregime festhalten, das genau diese Teilhabe strukturell verhindert.
Tabula Rasa entzieht sich dieser Logik nicht durch Ablehnung oder moralische Distanzierung, sondern durch strukturelles Handeln. Es wird nicht gesammelt, sondern verteilt. Nicht zerstört, sondern verschoben. Nicht appelliert, sondern vollzogen. Die Arbeit ersetzt symbolische Kritik durch ein funktionierendes System, das seine eigenen Voraussetzungen offenlegt und zur Disposition stellt.
Tabula Rasa bedeutet in diesem Sinn nicht, etwas auszulöschen oder neu zu beginnen. Es bedeutet, sichtbar zu machen, was geschieht, wenn ein System geöffnet wird und viele entscheiden, was davon bleibt – und wohin es wandert.
Tabula Rasa Tombola
Carolin Wendel
Eröffnung: 28.11.2025, 20 Uhr
geöffnet immer donnerstags und samstags von 16-18 Uhr
bis 4.1.2026
Finissage: 4.1.2026, 20 Uhr
Tabula Rasa Tombola ist ein interaktives Ausstellungsformat von Carolin Wendel. Ziel ist die schrittweise Auflösung eines Werkbestandes durch ein Losverfahren. Besucherinnen und Besucher erwerben nummerierte Lose, die einzelnen Rasterfeldern zugeordnet sind. Jedes gezogene Los führt zu einer Aktion. Das System basiert auf Zufall statt Auswahl. Es gibt 2025 Chancen bei einer Gewinnquote von eins zu zwanzig. Mit jeder Transaktion verändert sich der Zustand des Raums.
Ab 20 Uhr geht es los und dann beginnt auch schon die Tombola.
Viel Glück!
gefördert vom Kulturamt der Stadt Leipzig




TABULA RASA TOMBOLA – MANIFEST
Tabula Rasa bezeichnet keinen Neubeginn und keinen „leeren Tisch“. Der Begriff verweist auf eine Oberfläche, an der Spuren sichtbar bleiben: Einschreibungen, Abriebe, Überschreibungen. Eine Tabula ist nicht leer, sondern lesbar. Sie zeigt, was geschrieben wurde, was entfernt wurde und was dennoch fortwirkt. In diesem Sinn beschreibt Tabula Rasa keinen Zustand, sondern ein Verfahren: das Offenlegen von Strukturen, die sonst als selbstverständlich oder unsichtbar gelten.
Diese Arbeit ist nicht als einzelnes Werk konzipiert, sondern als System. Im Zentrum steht nicht das Objekt, sondern die Infrastruktur, die darüber entscheidet, wo Werke landen, wer sie besitzt, wer Zugriff erhält und wer ausgeschlossen bleibt. Kunst wird hier nicht als autonomes Bedeutungsobjekt verstanden, sondern als Teil gesellschaftlicher Ordnungen, in denen Wert, Sichtbarkeit und Teilhabe organisiert werden.
Das Kunstsystem ist kein neutraler Raum. Es reproduziert Machtverhältnisse durch Akkumulation, Verknappung und die Konzentration von Besitz. Sammlung, Archiv und Bestand erscheinen dabei häufig als unschuldige Formen der Bewahrung, sind jedoch zentrale Instrumente der Kontrolle über kulturelle Zirkulation. Was gesammelt wird, bleibt sichtbar und verfügbar; was nicht gesammelt wird, verschwindet aus dem Zugriff. Bestände schreiben Entscheidungen fort und stabilisieren Hierarchien lange über ihren Entstehungskontext hinaus.
Tabula Rasa Tombola setzt dieser Logik kein Kommentarwerk entgegen, sondern ein operatives Gegenmodell. Statt ein abgeschlossenes Werk zu präsentieren, etabliert die Arbeit ein System aus 2025 Feldern. Jedes Feld ist ein konkreter Zugriffspunkt. Ein Los aktiviert genau ein Feld. Mit diesem Zugriff verlässt ein reales Fragment die Arbeit und geht in den Besitz einer Person über. Dieser Vorgang ist materiell, irreversibel und nicht symbolisch. Es gibt keine Ersatzlogik, keine Reproduktion und keine Rückführung in ein zentrales Archiv.
Die Entscheidung, dieses System als Tombola zu organisieren, ist keine ästhetische Spielerei und keine ironische Brechung. Sie ist eine politische Setzung. Die Tombola ist ein allgemein verständliches, niedrigschwelliges Format, das weder kulturelle Vorbildung noch institutionelle Nähe voraussetzt. Sie öffnet das System für Menschen, die in klassischen Kunstkontexten häufig nur als Publikum oder gar nicht vorkommen. Teilhabe wird hier nicht vermittelt, sondern real ermöglicht.
Der Preis eines Loses liegt bei 3 Euro, weil Teilhabe nicht an ökonomische Leistungsfähigkeit gebunden sein soll. Der Betrag ist so gewählt, dass Mitmachen möglich bleibt, ohne Knappheit zu inszenieren oder Wertsteigerung zu betreiben. Es geht nicht um Marktlogik, nicht um Rendite, nicht um Prestige, sondern um Zugriff. Der spielerische Rahmen dient dabei nicht der Verharmlosung, sondern der Senkung von Zugangshürden. Er macht sichtbar, wie vertraut uns die Delegation von Verteilungsfragen an Zufallssysteme ist – und zwingt diese Logik in eine transparente, überprüfbare Form.
Die Möglichkeit, ein Bild oder Fragment zu erhalten, ist kein Ziel dieser Arbeit, sondern ein Nebeneffekt. Entscheidend ist der Eingriff selbst. Jeder Zugriff verändert das System sichtbar. Ein Feld verschwindet, ein Fragment zirkuliert, eine Leerstelle entsteht. Diese Leerstellen sind kein Schaden, sondern Dokumente. Sie zeigen, dass Entscheidungen getroffen wurden, dass Verantwortung übernommen wurde und dass Teilhabe nicht behauptet, sondern praktiziert wird. Das entstehende System ist kein beschädigtes Werk, sondern ein Protokoll kollektiver Eingriffe.
Am Ende bleibt kein intakter Bestand zurück, sondern ein offengelegtes Gefüge aus Zugriffen, Verteilungen und Leerstellen. Jede Person, die ein Los zieht, wird Teil dieses Gefüges – nicht als Konsument:in, sondern als Akteur:in innerhalb eines realen Systems. Besitz entsteht hier nicht durch Kaufkraft oder institutionelle Nähe, sondern durch Beteiligung an einem gemeinsamen Prozess.
Die Auflösung meines Bestands ist in diesem Zusammenhang keine symbolische Geste und kein individueller Verzicht. Sie ist eine politische Konsequenz. In einem Kunstsystem, das auf Akkumulation und Verknappung beruht, ist Bestand nicht neutral. Bestand bedeutet Macht: die Macht, Sichtbarkeit zu steuern, Zirkulation zu kontrollieren und Teilhabe zu begrenzen. Wer Teilhabe ernst meint, kann sie nicht propagieren und zugleich an einem Besitzregime festhalten, das genau diese Teilhabe strukturell verhindert.
Tabula Rasa entzieht sich dieser Logik nicht durch Ablehnung oder moralische Distanzierung, sondern durch strukturelles Handeln. Es wird nicht gesammelt, sondern verteilt. Nicht zerstört, sondern verschoben. Nicht appelliert, sondern vollzogen. Die Arbeit ersetzt symbolische Kritik durch ein funktionierendes System, das seine eigenen Voraussetzungen offenlegt und zur Disposition stellt.
Tabula Rasa bedeutet in diesem Sinn nicht, etwas auszulöschen oder neu zu beginnen. Es bedeutet, sichtbar zu machen, was geschieht, wenn ein System geöffnet wird und viele entscheiden, was davon bleibt – und wohin es wandert.
